Showdown beim Darmstadt-Cross 2007
Der 23. Darmstadt Cross hat mit insgesamt rund 800 Läufern gezeigt, dass der Crosslauf in Deutschland seine Freunde hat und – allen Unkenrufen zum Trotz immer noch lebt. Und wie am Beispiel Darmstadt zeigt, prächtige Akzente zu setzen weiß. Gegen gute ausländische Konkurrenz haben die deutsche Athleten gezeigt, dass sie sich gut vorbereitet für die Europameisterschaften im spanischen Toro am 9. Dezember haben. Auffallend hohe Teilnehmerzahlen in den Schülerläufen belegen, dass es durchaus läuferischen Nachwuchs in diesen Klassen gibt. Und dies vor dem Hintergrund, dass der zwei Jahre lang in Darmstadt angesiedelte DLV-Talente-Cross heuer in der Folgewoche in Halle ausgetragen wird, und hier gerade die A-Schüler-Konkurrenz nachhaltig beeinflusst hatte.
Den Auftakt zum bunten Reigen machten bei idealem Laufwetter die 12- und 13jährigen SchülerInnen, die auf zwei Crossrunden geschickt wurden. Die Schülerläufe sorgen jedes Jahr für die höchsten Teilnehmerzahlen, zeigen aber auch, dass in den Schulen durchaus ein gutes Potenzial für Lauftalente gibt und die Jungen und Mädchen Spaß am Laufen haben. Durch die Kooperation des ASC mit einigen Darmstädter Schulen zeigt sich, was eine gezielte leichtathletische Ausbildung bewirken kann. Die Stadtmeisterschaft der Darmstädter Schulen und die Bestenkämpfe der Schulen des Landkreises Darmstadt-Dieburg ist für viele Sportbegeisterte in den unterschiedlichen Altersgruppen ein weiterer Anreiz für einen Start. Rund 500 Kinder kamen am Sonntag und machten somit das Areal auf der Lichtwiese am TU-Fachbereich Architektur zum Ziel für so manchen sonntäglichen Familienausflug. Zumal die Kaffe-Kuchen-Brötchen-Theke reichlich bestückt war und das sonntägliche Kaffeetrinken in sportiver Atmosphäre durchgeführt wurde.
Nach dem Auftakt ging es auch schon im Wettbewerb der Weiblichen Jugend A und B um die Qualifikation für die Cross-EM, die heuer am 9. Dezember im spanischen Toro stattfindet. Die erst 17jährige Mira Glocker kam dabei zu einem ungefährdeten Sieg und kann sich über die Fahrkarte nach Spanien freuen. Wesentlich enger ging es im Kampf um Platz zwei zu, den die in Erbach wohnende Katharina Heinig vor Mareike Schrulle für sich entschied. Eine erneut gute Figur machte ASC-Talent Sylvie Müller, die als 31. genau in der Mitte des leistungsstarken Feldes einkam. Das Rennen der Masters-Damen gewann übrigens die ASC-Geschäftsführerin Stefanie Hock, die sich gegen die zum Teil 20 Jahre jüngere Konkurrenz wacker schlug.
Ein besonderes Highlight ist beim Darmstadt-Cross seit nunmehr einigen Jahren der Cross-Sprint, der in Vor- und Endlauf entschieden wird. Fast 60 Mittelstreckler wollten an diesem Spektakel teilhaben – und zeigten auf dem schnellen Parcours auch heiße Positionskämpfe. Die Finalläufe im Coss-Sprint entschieden die beiden Jugendlichen Chris Gerdel und Sören Ludolf gegen die starken Männer für sich, der aus Alsbach stammende deutsche 800 m-B-Jugendmeister Kolja Breuer wurde nur Siebter der Jugendlichen. Auch bei den Frauen und Mädchen gehört die Siegerin Daniela Ferenz noch der Jugendklasse an, die sich im harten Finish gegen die Darmstädter Studentin Sabine Bachmann durchsetzten konnte.
Auch die Cross-Sprinter mussten bei ihren Läufen durch die Sandpassage laufen, die die TU-Mitarbeiter Frank Willner und Bernd Schellhaas neben den umfangreichen Vorarbeiten in einer Sonderschicht am Samstag noch auftürmte. Die durch Bauarbeiten bedingte Stelle wurde von den Veranstaltern als zusätzliche Schikane eingebaut und hatte nach kurzer Zeit schon den Spitznamen „Omaha Beach“ erhalten. Nach den verregneten Läufen 2006 und den von Schnee und Eis geprägten Deutschen Meisterschaften vor zwei Jahren war die Strecke diesmal trocken, aber dennoch crosswürdig weich. Eine Schlammschlacht blieb den Läufern aber erspart. Nicht nur deshalb, sondern auch wegen der starken sportlichen Leistungen und der überaus reibungslosen Organisation von der Streckenplanung bis hin zur Startnummernausgabe und der Auswertung sprach OK-Chef Wilfried Raatz vom besten Darmstadt-Cross überhaupt. Mittelstrecken-Bundestrainerin Beate Conrad setzte hier noch einen drauf, als sie vom besten Cross in Deutschland sprach, den sie bislang erlebt habe.
Trotz starker deutscher Präsenz dominierten bei den Frauen die ausländischen Starter.
Zusammen mit den beiden Kenianerinnen Regina Nguria und Jebichi Yator bog mit der Polin Katarzyna Kowalska die U 23-Europameisterin im 3000 m-Hindernislauf in die Schlussrunde. Dahinter verblüffte die 22jährige Julia Viellehner selbst die Fachleute, die mit einem energischen Schlußteil sogar auf die Polin auflaufen konnte und hauchdünn zurück Rang vier belegte. „“Endlich habe ich wieder die Form, die ich vor meiner Verletzung hatte“ freute sich die Winhöringer Juniorin, die in der kommenden Saison für die LG Passau starten wird, die nach einer fünfmonatigen Zwangspause nun wieder durchstarten möchte. „Es hat mich schon überrascht, dass ich mich von den anderen Deutschen so problemlos habe absetzen können. Ich liebe aber Crosslauf und freue mich deshalb schon auf die EM!“
Eine geringe Hoffnung auf einen EM-Start macht sich allerdings auch Simret Restle, die hinter Julia Viellehner zweitbeste deutsche Läuferin wurde, nachdem sie seit drei Wochen im Besitz eines deutschen Passes ist. „Ich habe das schwere Rennen in Tilburg in der Vorwoche noch in den Beinen gespürt, deshalb fehlte mir am Ende doch die Kraft“. Und das wäre fast noch ins Auge gegangen, denn hinter der gebürtigen Äthiopierin folgte dichtauf schon die wieder genesene Birte Bultmann vor Stephanie Beckmann, während die eigentliche 1500 m-Sepzialistin Antje Möldner einmal mehr zu spät „aufzwachen“ schien, um mehr als Rang sechs zu realisieren.
Auf der komplett einsehbaren Crossrunde unweit des Hochschulstadions meldete sich ein erstaunlich stark auftrumpfender Arne Gabius nach nur kurzer Saison-Regeneration in bereits beachtlicher Form zu Wort. „“Ich wollte heute bester Deutscher werden“ diktierte der Neu-Tübinger aus Hamburg den zahlreichen Journalisten in die Notizblöcke. „Das ist mir auch gelungen, auch wenn ich den Start verpennt habe“. Der Schützling von Dieter Baumann zeigte erfrischenden Mut zum Risiko und war letztlich der einzige der deutschen Asse, der mit den beiden munter drauflos stürmenden Kenianern Koech und Chirchir auf der 9,7 km langen Strecke noch mithalten konnte. „Das zeigt mir allerdings auch, in welch guter Verfassung ich aus der Saison herausgegangen bin. Ich habe aber nicht vor, die Cross-EM zu laufen. Das lässt sich mit meinem Medizin-Praktikum nicht vereinbaren. Eine Hallensaison werde ich aber machen, da gibt es übrigens auch eine WM in diesem Winter....“ lässt vielsagend Arne Gabius alle Eventualitäten offen. Hinter dem starken Gabius empfahl sich aus einer starken Dreiergruppe mit Sebastian Hallmann, Steffen Uliczka und dem Crossmeister Stephan Hohl vor allem der Hindernis-Spezialist Uliczka, den Uhlemann gerne als Einzelstarter mit zur Cross-EM mitnehmen möchte. „Seine Schlussrunde war vor allem stark“ anerkannte neidlos Stephan Hohl die Stärke seines Konkurrenten, dem er neun Sekunden später auf Rang vier folgte.
Im U 23-Wettbewerb der Junioren überraschte Christian Stanger, der sich dank eines mutigen Tempovorstoßes gegen Ricardo Giehl und Zelalem Martel durchsetzen konnte. Bei den U 19-Junioren setzte sich hingegen mit Alexander Hahn der deutsche Crossmeister und EM-Siebte von San Giorgio su Legnano durch. Der Leverkusener behauptete sich gegen eine kompakte Konkurrenz mit Rico Schwarz an der Spitze. Während Thorsten Baumeister als sechstbester Deutscher gerade noch ins EM-Aufgebot rutschen dürfte, sind die Chancen für den U 20-EM-Zweiten Matti Markowski und den Berglauf-EM-Vierten Manuel Stöckert nur noch theoretischer Art. Im Frühjahr standen beide noch mit starken Leistungen in der deutschen Mannschaft, die bei der Cross-WM in Mombasa als Zwölfter überraschend bestes europäisches Team wurde.
Der frühere ASC-Chef Dr. Dierk Molter hatte als Schuldezernent der Stadt Darmstadt bei der Siegerehrung der Schulwettbewerbe natürlich ein Heimspiel und freute sich vor allem die überaus stark präsenten Darmstädter Schulen, von denen die Schillerschule das weitaus größte Kontingent stellte. Wie in den bisherigen Ausgaben des Darmstadt-Cross gab es auch dieses Mal für die Sieger und Platzierten neben Sportartikel des ASC-Ausrüsters Nike und Präsenten der Sponsoren Merck, Sparkasse Darmstadt, Entega und Darmstädter Privatbrauerei vor allem auch bissfeste Äpfel als einen kleinen Vitaminschub nach vollbrachten Höchstleistungen.
Bereits bei der 23. Auflage des Darmstadt-Cross konnten die Weichen für die 24. Veranstaltung gestellt werden, denn im kommenden Jahr wird es eine Neuauflage des Deutschen Cross-Cup kommen. Nach den beiden Veranstaltungen in Neukirchen/ Grevenbroich (2. Februar) und Pforzheim (8. November) kommt es am 22. November beim Darmstadt-Cross zum Finale im wiederbelebten Cross-Circuit.