LutzPhilipp
Lutz hat die Laufscene in Darmstadt und der alten Bundesrepublik über ein Jahrzehnt entscheidend mitgeprägt. Der Sportjournalist Robert Hartmann, ein langjähriger Begleiter der Leichtathletik, blickt auf Lutz‘ Karriere zurück. Die Trauerfeier findet am Dienstag, 7.2. um 12.30 auf dem Alten Friedhof Darmstadt, Herdweg 105 statt.
Für den Vorstand
Till Lufft
In Memoriam Lutz Philipp
Lutz Philipps sportliche Karriere erreichte Ende Mai 1972 ihren sportlichen Höhepunkt, als er in Manchester vor der versammelten britischen Konkurrenz in der Jahresweltbestzeit von 2:12:50,0 Stunden siegte. Da war er 31 Jahre alt. Eine britische Zeitung nannte ihn in der Überschrift „Prinz Philipp“, in Anlehnung an den Ehemann von Königin Elizabeth II.
Der am Mittwochmittag nach schwerer Krankheit verstorbene Darmstädter Langstreckenläufer führt die Erinnerungen noch einmal in eine Zeit zurück, als die Leichtathletik hierzulande noch eine der populärsten Sportarten war. Heute wäre er mit Abstand der schnellste Deutsche auf der 42,195 km langen Strecke. Damals starteten bei seinem Verein ASC nicht weniger als acht Marathonläufer. Und bei den deutschen Waldlaufmeisterschaften 1971 nahm sein Verein mit elf Läufern allein an der 12,3 Kilometer langen Hauptklasse teil.
Zur Laufen war er durch den Schulsport gekommen und zwar in Lübeck. Harald Norpoth aus Münster, der 5000-m-Olympiazweite von Tokio 1964, sagte einmal: „Ich glaube, es gibt keinen Langstreckler, der härter trainiert als Lutz Phillip.“ Der erhielt im Januar des Jahres 1971 vom Deutschen Leichtathletik-Verband sogar Startverbot. Die Funktionäre und der jüngere Kollege hatten freilich nicht genau hingesehen. Nie wurde ihm größeres Unrecht getan. Denn in der Nebensaison betrachtete Philipp die Wettkämpfe lediglich als Tempospitzen. Im Training lief er dagegen immer in einem beschaulichen Tempo, aber oft kamen auf diese Weise dreißig Kilometer am Tag zustande.
Bei ihm erschien die Mundpartie während des Laufens derart günstig verrutscht zu sein, als hätte er immer ein Lächeln auf den Lippen. Nach seinem ersten Marathon, in dem er auf Anhieb deutscher Meister (2:15:22,6 Stunden) in den Ausläufern der Weltklasse wurde, sagte er: „Es klingt komisch, aber ich hatte noch Zeit, mir die schöne Gegend zu besehen.“
In den Jahren von 1964 bis 1973 machte Philipp 38 Länderkämpfe mit. Es war die Zeit, als noch ein deutscher Läufer zum berühmten Silvesterlauf nach Sao Paulo eingeladen wurde. Fünfmal verbrachte er so die Jahreswende in Südamerika.
Philipp, der Mathematik- und Sportlehrer wurde, gewann 13 deutsche Meisterschaften, davon je drei über 10.000 m und im Marathon sowie sechs im Waldlauf, dem Vorgänger des Cross. Dass der Monat Mai für ihn ein fruchtbarer Monat war, hatte er schon zwei Jahre vor seinem Paukenschlag gezeigt, als er mit 28:23,4 Minuten einen Deutschen Rekord über 10.000 m aufstellte. Schließlich verfehlte Philipp am 22. Mai 1973 im Berliner Olympiastadion den Weltrekord über 25 km mit der Zeit von 1:15:32,6 Stunden nur um zehn Sekunden.
Er nahm auch an drei Olympischen Spielen teil, in Tokio 1964, Mexico-City 1968 und München 1972. Jedes Mal lief er nur mit, im Marathon wurde er 32. Im Wonnemonat wäre es wohl anders gewesen.
Robert Hartmann

